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Peter Kreisky ist tot

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Montag, 14. Februar 2011, 19:00 Uhr
<a href="http://peter.fleissner.org/Transform/FEST_FUER_PETER.pdf">Ein Fest für Peter</a> - Eine Verabschiedung von Peter Kreisky in der Fleischerei, Kirchengasse 44, 1070 Wien
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Mit Bestürzung haben wir erfahren: Unser langjähriger Freund und Mitstreiter Peter Kreisky verstarb gestern, Montag, bei einer Wanderung auf Mallorca. Er hat sich sein ganzes Leben lang unermüdlich für eine bessere Welt eingesetzt. Wir vermissen ihn sehr!

Die Rede von Doron Rabinovici an Peters Begräbnis am 18. Jänner finden Sie unter http://peter.fleissner.org/Transform/RedeDoron.pdf.


Nachruf von Eva Brenner

!PETER IST TOT, ES LEBE PETER!
!Peter is dead, long live peter!
Er war unser freund, genosse, kollege, vereinsobmann und mentor!


PETER KREISKY war in höchstem maß seinem programm der tätigen intervention verantwortlich, solidarisch, sensitiv und mitfühlend. Er war ein seismograph der zustände, ein bindeglied der besten linken kräfte in diesem land. Seine agenda waren die menscherechte und potentiale, war die "bessere welt" als in unserer eigenverantwortung liegende, als in unserer lebenszeit mögliche - nicht in einer utopisch fernen zukunft, als mögliche, weil zu machende (Brecht)! Peter symbolisierte diese zukunft, er war eine brücke zwischen menschen verschiedener herkünfte, ideologien, klassen und kulturen - im widerstand gegen die neuen populistischen rechten, eines steten rechtsrucks, den er und sein vater früh als gefahr erkannten! Er war im tiefsten sinn anti-faschist, anti-rassist, anti-sexist. Er trug die flamme der hoffnung auf eine "bessere welt" dicht unter dem hemd, nah an seinem kranken herzen, er überforderte sich für andere, unter vernachlässigung der eigenen gesundheit, des eigenen wohlbefindens, des eigenen bankkontos - er war ein "mann der zukunft"!

Eure traurige theatergemeinde in der FLEISCHEREI, eva brenner & team

p.s. im FEBRUAR 2011 wird es ein performatives ABSCHIEDSRITUAL für PETER KREISKY in der FLEISCHEREI geben, im kreise aller FreundInnen, künstlerinnen und MitastreiterInnen. Benefizankündigung folgt!


Nachruf von Walter Baier:

Peter Kreisky 1944 – 2010

Am 27. Dezember verstarb Peter Kreisky während einer Bergwanderung auf Mallorca, wo er einen kurzen Weihnachtsurlaub verbrachte. Peter Kreisky wurde am 8. Mai 1944 im schwedischen Exil geboren, wohin sein Vater, der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky, vor den Nazis flüchten musste. Die Politik griff bereits frühzeitig in Peter Kreiskys Leben ein. Nach der Befreiung war die Rückkehr seines Vaters, unter anderem durch die USA, ein Jahr lang verzögert worden. Erst als es Bruno Kreisky gelungen war, in seiner Heimat politisch Fuß zu fassen, löste er 1951 den schwedischen Haushalt auf und ließ die Familie nachkommen. Peter Kreisky sollte Schweden und dem schwedischen Sozialismus sein ganzes Leben verbunden bleiben. 1959 trat Peter Kreisky dem Verband Sozialistischer Mittelschüler bei (der VSM wurde 1973 von der SPÖ unter Bruno Kreisky wegen seiner linken Tendenz ausgeschlossen). 1965 wurde er Obmann des Verbands Sozialistischer Studenten, VSSTÖ. 1973 begann der promovierte Jurist seine Berufslaufbahn in der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer Wien. Einer breiten politischen Öffentlichkeit bekannt wurde Peter Kreisky durch seinen Protest gegen den Krieg der USA in Vietnam und gegen das von seinem Vater initiierte Kernkraftwerk in Zwentendorf. Sein öffentliches Engagement gegen die von der Gemeinde Wien geplante Verbauung der Steinhofgründe brachte ihm beinahe den Ausschluss aus der Wiener SPÖ.

In den 80er-Jahren stand Peter Kreisky, der mit der Politologin Eva Kreisky verheiratet war, mit an der Spitze der Proteste gegen den Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim. 1999 beteiligte er sich an den Demonstrationen gegen den Jugoslawien-Krieg der NATO. Peter Kreisky blieb zeitlebens Mitglied der SPÖ, deren linken Flügel er vertrat. Bei den Europaparlamentswahlen 2003 rief er zur Wahl der „Linken Liste für ein solidarisches Europa“ auf.

Kreisky war Mitglied der unabhängigen, internationalen Jury zur Vergabe des Bruno-Kreisky-Preises für Verdienste um die Menschenrechte, des Beirats im Bruno-Kreisky-Forum für internationalen Dialog sowie Vorstandsmitglied im Republikanischen Club - neues Österreich. Im Besonderen war er dem Experimentaltheater „Fleischerei“ verbunden, um dessen Erhalt er gemeinsam mit seiner Leiterin Eva Brenner einen zähen politischen Kampf führte. Er gehörte dem Gründungskreis des Forums Soziale Gerechtigkeit an. Peter Kreisky war auch an den Vorbereitungen der im kommenden Jahr stattfindenden Feierlichkeiten zum 100.Geburtstag seines Vaters beteiligt, in dessen Rahmen eine unter anderem eine von transform! europe und der Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstaltete Konferenz unter dem Titel „Bruno Kreisky und die Linke in Europa“ geplant ist.

Walter Baier


Nachruf des republikanischen Clubs:

Wir trauern um Peter Kreisky

Er war ein enger Freund, er war einer der Gründer, ein Vorstandsmitglied und ein Mentor des Republikanischen Club – Neues Österreich.
Peter setzte sich für die Erinnerung an die Vergangenheit ein, ohne darüber die Vision für die Zukunft zu vergessen. Sein Engagement galt dem Werden einer solidarischen Gesellschaft, sein Augenmerk gehörte dem einzelnen Menschen, der Hilfe brauchte. Er kämpfte gegen Rassismus und für eine Welt jenseits der Ressentiments. Sein Horizont reichte weit über die Grenzen Österreichs hinaus.

Er wird uns sehr fehlen.

Für den Republikanischen Club – Neues Österreich:
Doron Rabinovici, Sibylle Summer, Silvio Lehmann, Jacqueline Csuss, Andrea Mautz, Brigitte Lehmann, Alexander Emanuely, Michael Kollmer, Peter Bettelheim


Nachruf der Initiative Muslimischer Österreicher-innen

Mit Trauer und Betroffenheit haben wir die traurige Nachricht über das unerwartete Ableben von Peter Kreisky erfahren.

Peter Kreisky war unserer Initiative seit ihrer Gründung 1999 ein guter Freund, auch durch das gemeinsame Engagement im Rahmen von SOS Mitmensch. Er hat stets eine mutige Haltung gezeigt, wenn es darum ging gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung oder Islamfeindlichkeit aufzutreten. Die Situation im Nahen Osten war ihm nicht egal. Wie schon sein Vater hat er sich auch für die Situation der Palästinenser interessiert und ist für deren Rechte eingetreten. Seine konsequente Haltuing gegen den Krieg, vor allem schon in seinen jüngeren Jahren gegen den Vietnam-Krieg wird uns in Erinnerung bleiben. Als Humanist hat er sich auch stets für die Gleichberechtigung der Minderheiten eingesetzt und ist für die uneingeschränkte Religionsfreiheit eingetreten.

Mit seinem Tod verlieren wir einen Freund und Mitkämpfer.

Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Frau Eva Kreisky und der gesamten Familie und Angehörigen.

Initiative Muslimischer Österreicher-innen


Nachruf von Asyl in Not

Peter Kreisky ist tot. Die Linke in Österreich hätte ihn noch viele Jahre gebraucht. Er hat jahrzehntelang die zentralen politischen Kämpfe dieses Landes mitgekämpft.

Es war nicht zuletzt sein Verdienst, daß 1965, nach langem Fraktionskampf, die rechte Androsch-Partie aus dem Verband Sozialistischer Studenten hinausflog. Eine Weichenstellung, durch die linke Hochschulpolitik überhaupt erst möglich wurde.

1966 lernte ich ihn kennen; wir arbeiteten zwei Jahre daran, den VSStÖ zur führenden Kraft der beginnenden Studentenbewegung zu machen. 1968 trennten sich unsere Wege für lange Zeit; meinen Bruch mit der Partei vollzog er (aus Gründen, die ich verstehe) nicht mit.

Er stand jahrelange, ohne Zweifel für beide sehr belastende Konflikte mit seinem Vater Bruno Kreisky durch, demonstrierte auf dem Salzburger Flugfeld gegen Nixons Staatsbesuch und trug mit der Anti-Zwentendorf-Kampagne maßgeblich dazu bei, daß grüne Ideen in Österreich Fuß fassten.

Sein entschiedenes Auftreten gegen Kurt Waldheim – in einer Zeit, wo der Boulevard voll pseudopatriotischer, antisemitischer Hetze war – ermutigte und bestärkte die anständigen Menschen dieses Landes in ihrem Widerstand. Ebenso unermüdlich kämpfte er später gegen Schwarz-Blau.

Er war einer der Gründer des Republikanischen Club Neues Österreich und auch lange bei SOS Mitmensch engagiert, wo er mich (was ich ihm hoch anrechne) unter anderem dabei unterstützte, ein damaliges (wie sich dann herausstellte: polizeinahes) Vorstandsmitglied zum Abgang zu motivieren.

Peter Kreisky war bis zuletzt Mitglied der SPÖ. Eine führende Funktion erhielt er dort nie; vielleicht weil er gar nicht wollte, weil ihm all die Kompromisse, die er hätte schließen müssen, zuwider waren; vor allem aber, weil diese Partei für einen geistig unabhängigen Menschen und aufrechten Linken wie ihn keine Verwendung hatte.

In diesem Lichte sind die Trauerbekundungen der derzeitigen Parteispitze zu sehen.

Peter Kreisky war ein ganz bescheidener Mensch, der keinen Wert auf Ehrungen und große Worte legte. Ihm ging es immer um die Sache. Er hat stets weitergemacht, unter widrigen Umständen, ohne seine Kräfte zu schonen.

Darum geht es für uns, für die Linke in Österreich auch jetzt:
Wir werden weitermachen – leider ohne ihn.

Michael Genner
Obmann von Asyl in Not

www.asyl-in-not.org

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