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Klimakonferenz in Cochabamba

Die Klimakonferenz in Cochabamba, die nach dem Scheitern des offiziellen Gipfels in Kopenhagen ( COP 15 ) im Dezember des Vorjahrs vom- indigenen-Praesidenten Boliviens Evo Morales initiiert wurde, beginnt morgen mit ihrer Taetigkeit. Gearbeitet wird in 17 Themenbereichen, die das gesamte Spektrum oekologischer und sozialer Fragen abdecken. Bereits jetzt haben sich ueber 15 000 TeilnehmerInnen aus allen fuenf Kontinenten angemeldet.
Eine stattliche Anzahl prominenter Intellektueller nimmmt an der Konferenz teil- u. a. Edgardo Galeano, der Autor des Klassikers " Die offenen Adern Lateinamerikas ". Einige Praesidenten Lateinamerikas werden erwartet.
Die Stadt Cochabamba, die auf einen erfogreichen Kampf gegen die Privatisierung des Wassers zurueckblicken kann, ist bereits stark durch den " cumbre" (Gipfel) gepraegt: Plakate, Transparente und Fahnen allenorts. Die Zeitungen titeln mit: " Die Welt blickt auf Cochabamba".
Das Programm fuer die Mega-Konferenz ist unter http://www.cmpcc.org zu finden.
Fuer die sozialen Bewegungen bietet sich eine hervorragende Gelegenheit, sich global zu vernetzen, oekologische und soziale Themen zu verschraenken und das Leitmotiv des Alternativgipfels von Kopenhagen " Change the system - Not the climate " der Realisierung einen Schritt naeher zu bringen.

Bericht vom 20.4.2010:
Die Klimakonferenz in Cochabamba nahm gestern ihre Taetigkeit auf. 17 thematische Arbeitsbereiche , die das gesamte Spektrum oekologischer und sozialer Fragen umfassen, konstituierten sich. In der gut besuchten " Versammlung der sozialen Bwewegungen " ( rund 400-500 TeilnehmerInnen) wurde betont, dass es einer gemeinsamen Erklaerung bedarf , mit der die Mobilisierungen in den naechsten Monaten und fuer den UNO-Klimagipfel Ende des Jahres in Cancun auf eine breite Basis gestellt werden koennen. Als Mitglied des gesamteuropaeischen Mobilisierungskomitees fuer das ESF in Istanbul (1.-4.Juli) informierte ich die Versammlung ueber die Aktivitaeten nach Copenhagen ( COP 15 ) and verwies darauf, dass " ein erfolgreiches ESF in Istanbul einen wichtigen Mobilisierungsschritt fuer Cancun darstellt". Heute um 8, 30 h ( Ortszeit ) wird die Konferenz offiziell im Stadion von Tiquipaya, einem suedlichen Stadtteil von Cochabamba, durch den Praesidenten Boliviens Evo Morales eroeffnet. Bekannte Repraesentanten der " Befreiungstheologie " , wie Frei Betto und Leonardo Boff, nehmen an der Konferenz teil. Vier Praesidenten aus Latinamerika kommen ebenso: Hugo Chavez ( Venezuela ), Rafael Correa ( Ecuador ), Daniel Ortega ( Nicaragua) and Fernando Lugo ( Paraguay ).
Die Medien erwarten 20 000 KonferenzteilnehmerInnen.

Bericht vom 21. 4. 2010
Heute Vormittag ( Ortszeit ) wurde die Klima-Konferenz offiziell im Stadion von Tiquipaya-suedlich von Cochabamba gelegen- durch den Praesidenten Boliviens Evo Morales eroeffnet.
Teil der Eroeffnung war eine indigene Zeremonie auf Aymara, in der " madre tierra" und " padre cosmos" gehuldigt wurde. Lateinamerikanische Rhythmen erklangen- mit dem Refrain: " Oye amigo- madre tierra esta en peligra" ( Hoehre Freund: Mutter Erde ist in Gefahr "), der von allen im Stadion mitgesungen wurde. Evo Morales geiselte das " globale kapiotalistische System", das fuer die Zerstoerungen der Natur und den Klimawandel die Verantwortung traegt. Er stellte in Abrede, dass der " Markt" die Probleme loesen koennte: " Es ist ja gerade der Markt und das rastlose Jagen nach Profit, das all die Uebel hervorgerufen hat ". Vertreter von sozialen Bewegungen Indiens, Afrikas und Brasilien ergriffen das Wort. Tosenden Applaus gab es fuer die Ausfuehrungen der Repraesentantin der indigenen Voelker Nordamerikas: " Der Imperilismus hat uns auszurotten versucht-aber wir sind noch immer hier!" Ausgepfiffen wurde hingegen die offzielle Vertreterin der UNO, die sich in seichten Gemeinplaetzen erging.
Die Konferenz dauert bis Donnerstag den 22.April und wird am Nachmittag mit einem grossen " acto cultural" im Stadion von Cochabamba beendet.

Bericht vom 22. 4. 2010
Die Klima-Konferenz in Cochabamba, die durch eine Initiative des - indigenen- Praesidenten Boliviens Evo Morales zustande kam, geht heute mit einem grossen "acto cultural" im Stadion von Cochabamba zu Ende. Mehrere lateinamerikanische Praesidetnten werden das Wort ergreifen - u.a. Hugo Chavez aus Venezuela.
Vertreter sozialer und oekologischer Bewegungen aus allen fuenf Kontinenten werden die Ergebnisse der 17 " mesas de trabo"-zusammengaefasst in einer gemeinsamen Erklaerung- praesentieren.
Die Konferenz war durch eine vehemente Kritik am " globalen kapitalistischen System" gepraegt, das fuer die Zerstoerung der Natur ( " madre tierra") und den Klimawandel die Verantwortung traegt. Als Alternative wurde ein " socialismo cummunitario "( Evo Morales ) formuliert, der sorgsam mit den natuerlichen Ressourcen umgeht und durch ein "partizipative Demokratie"- im Gegensatz zur bloss formalen buergerlichen Demokratie- gekennzeichnet ist.
22 000 TeilnehmerInnen aus 93 Laendern registrierten sich.
Die Konferenz kann als ein wichtiger Schritt vorwaerts nach dem Scheitern des offiziellen Klimagipfels in Kopenhagen ( COP 15) im Dezember des Vorjahrs eingestuft werden. Der allgemeine Tenor war, mit starker Stimme waehrend des naechsten UNO-Klimagipfels in Canucun Ende des Jahres praesent zu sein und dort fuer grundsaetzliche oekologische und gesellschaftliche Veraenderungen ( " Change the system- not the climate ") zu wirken.

Bericht vom 23. 4. 2010
Die Klima-Konferenz in Cochabamba, die durch eine Initiative des - indigenen- Praesidenten Boliviens Evo Morales zustande kam, ging vor wenigen Minuten mit einem grossen "acto cultural" im Stadion von Cochabamba zu Ende. Sprecher waren unter anderen der Praesident von Venezuela Hugo Chavez, der Vizepraesident Cubas Esteban Lazom und das Urgestein der sandinistischen Revolution Tomas Borge.
Rund 40 000 Personen- unter ihnen viele Indigene von mehreren Kontinenten- nahmen an der Abschlussveranstaltung teil.
Chavez spannte einen breiten Bogen von den Unabhaengigkeitskaempfen Lateinamerikas und seinen Inspiratoren ( Bolivar, Sucre, Marti, Mariategui) bis hin zu den aktuellen globalen Krisen . Rosa Luxemburg zitierend spitzte er die Alternative zu: " Sozialismus oder Barberei ".
Vertreter sozialer und oekologischer Bewegungen aus allen fuenf Kontinenten praesentiereten die Ergebnisse der 17 " mesas de trabo"- zusammengaefasst in einer gemeinsamen Erklaerung ( " acuerdo de los pueblos"- " Uebereinkunft der Voelker"). Das Dokument ist eine harsche Kritik am " patriarchalen, kapitalistischen Produktions- und Konsummodell" und optiert fuer eine sozial gerechte Gesellschaft. die in dauerhafter " Harmonie mit der Natur" lebt.
Schlussredner war Evo Morales, der die Voelker und sozialen und oekologischen Bewegungen aufrief, die " Ergebnisse von Cochabambe hinauszutragen " und " fuer ihre " Umsetzung zu kaempfen "
Die Konferenz in Cochabamba, die von 19. bis 22. April dauerte, kann als ein wichtiger Schritt vorwaerts nach dem Scheitern des offiziellen Klimagipfels in Kopenhagen ( COP 15) im Dezember des Vorjahrs eingestuft werden. Der allgemeine Tenor war, mit starker Stimme waehrend des naechsten UNO-Klimagipfels in Canucun Ende des Jahres praesent zu sein und dort fuer grundsaetzliche oekologische und gesellschaftliche Veraenderungen ( " Change the system- not the climate ") zu wirken.

Bericht vom 24. 4. 2010
Der Klimagipfel in Cochabamba zur Rettung der "madre tierra " brachte all das zur Sprache, was der offizielle Gipfel in Kopenhagen ( COP 15) unter den Teppich gekehrt hatte. Auch die Loesungsvorschlaege haben Hand und Fuss. Damit sie Realitaet werden, bedarf es allerdings noch vieler Kaempfe.

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Vier Tage wurde intensiv in 17 " mesas de trabajo " debattiert und die Ergebnisse in einer gemeinsamen Erklaerung ("acuerdo de los pueblos") zusammengefasst. Das Dokument ist eine harsche Kritik am " patriarchalen, kapitalistischen Produktions- und Konsummodell" und optiert fuer eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, die in dauerhafter " Harmonie mit der Natur" lebt.
Beeindruckend war die starke Praesenz, das gestiegene Selbstbewusstsein und die aktive Teilnahme von Indigenen aus allen Kontinenten. Als die Vertreterin der indigenen Voelker Nordamerikas auf der Eroeffnungsveranstaltung im Stadion von Tiquipaya ihre Rede mit den Worten schloss " Der Imperilialismus wollte uns ausrotten- aber wir sind noch immer hier! ", wollte der Beifall kein Ende nehmen.

" Socialismo communitario"
Evo Morales entwarf als Gegenmodell zum status quo einen " socialismo cummunitario" basierend auf "partizipativer" und nicht bloss formaler Demokratie. Er stellte in Abrede, dass der " Markt" die aktuellen Krisen loesen koenne. " Es ist ja gerade der Markt und das rastlose Jagen nach Profit, das fuer die Krisen die Verantwortung traegt". Hugo Chavez spitzte die Alternative -Rosa Luxemburg zitierend- zu: "Sozialismus oder Barbarei".
Auffallend war, dass das offizille Brasilien ( Lula, Rousseff,...) durch Abwesenheit glaenzte. Die Brachialpoltik Brasiliens in Umweltfragen ( z.b. Belo Monte ) liess es offenbar nicht ratsam erscheinen, nach Cochabamba zu kommen...
Ob es tatsaechlich zu den im Vorfeld der Gipfels anvisierten Umweltreferenden kommen wird oder bloss zu " consultas populares ", ist derzeit noch offen. Sicher hingegen ist, dass es im naechsten Jahr erneut einen " cumbre de los pueblos " geben wird (der Ort ist derzeit noch nicht bestimmt ).

Kritische Solidaritaet
Die Konferenz in Cochabamba kann als ein wichtiger Schritt vorwaerts nach dem Scheitern des offiziellen Klimagipfels in Kopenhagen ( COP 15) im Dezember des Vorjahrs eingestuft werden. Der allgemeine Tenor war, mit starker Stimme waehrend des naechsten UNO-Klimagipfels in Canucun Ende des Jahres praesent zu sein und dort fuer grundsaetzliche oekologische und gesellschaftliche Veraenderungen ( " Change the system- not the climate ") zu wirken.
Die positiven Resultate der Konferenz sollten jedoch nicht blind machen, fuer Grenzen , die sich zeigten. Eine Sache ist eine -radikale- Rhetorik, eine andere die harten Tatsachen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Schon ein Spaziergang in Cochabamba, wo der MAS eine satte 62 Prozent- Mehrheit hat, zeigt, dass auf dem Umweltsektor noch eine weite Wegstrecke bevorsteht: durch die Altstadt geht der gesamte Individualverkehr, selbst der Hauptplatz mit seinem wunderschoenen Baumbestand und den historischen Bauten ist nicht davon ausgenommen. Der Rio Rocha , der durch die Stadt fliesst, ist eine Kloake.
Erst recht wird es in der " grossen Politik" haarig. Um an Devisen rannzukommen werden in Bolivien - wie in Venezuela und Ecuador- durchaus problematische industrielle und energitsche Investitionen getaetigt. Ausserhalb des cumbre bildete sich sogar eine 18. "mesa", die diese Fragen anschnitt.
An den sozialen Bewegungen liegt es , die Ergebnissse von Cochabamba in die " Welt hinauszutragen und fuer ihre Umsetzung zu kampfen " ( Evo Morales ) und dabei Widersprueche, Unzulaenglichkeiten nicht zu verschweigen. Solidaritaet, soll sie Bestand haben, kann immer nur eine kritische sein.

Mit solidarischen Gruessen
Herman Dworczak, Cochabamba ( Austrian Social Forum / ASF; 0043 / 676 / 972 31 10 )

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